Die Hälfte ist fast rum

Es ist beinahe Halbzeit in Israels Ligen und so langsam scheint sich das Feld zu formieren. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten sind die üblichen Verdächtigen nun wieder oben zu finden, lediglich der Pokal scheint für Überraschungen gut zu sein. In Europa hingegen haben sich Israels Vereine nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Nur noch eine Mannschaft scheint sich in Israel gegen die üblichen Verdächtigen durchsetzen zu können: Hapoel Ramat Gan mit Trainer Robinho ist weiterhin auf dem zweiten Platz. Sieben Punkte konnten die Aufsteiger an diesem ZAT holen. Allerdings munkeln schon die ersten Beobachter, dass nun bald der Einbruch folgen wird, denn allzu frisch sehen die Spieler nicht mehr aus. Und die Konkurrenz lauert nur auf Fehler.
Da wäre erstmal Hapoel Kfar-Saba. Zwar hat Ruessel68 nur einen Punkt Vorsprung, aber die Erfahrung spricht klar für ihn. Erst recht, wenn man den Vorsprung zum dritten Platz betrachtet: Sieben Punkte, Moddhaeus wird sich da noch einiges einfallen lassen müssen. Für den Trainer mit Nebenjob bei der Jerusalem Post läuft es diese Saison nämlich nicht ganz so gut: Zwar konnte Ashdod beide Heimspiele gewinnen, aber das 3:2 gegen Maccabi Tel Aviv war knapper als es der Trainer wohl gewollt hatte (insbesondere wenn man bedenkt, dasss die Gegentore völlig überflüssig waren). Dazu dann noch das Ausscheiden als Gruppenletzter im UEFA-Cup. Und dann die Blamage im Pokal: Gegen den Zweitligisten Hapoel Haifa. Alle Hoffnungen der Fans liegen nun darauf, die sieben Punkte gegen Kfar-Saba aufzuholen. Nur: Bisher hat in Israel meist die Mannschaft gewonnen, die von Beginn der Saison an dominierte. Insofern könnte Ruesel68 als erstem in Israel eine Titelverteidigung gelingen.
Andererseits: Es sind auch noch 18 Spieltage. Achtzehn Tage, die einige Trainer zu nutzen wissen werden. Maisel und Dittsche zum Beispiel. Erstere gewann sogar souverän sein Spiel im Pokal und wird nun nicht zu Unrecht als der Favorit auf diesen Titel gewertet. Aber auch in der Liga zeigte er sein Können: 4:1 in Bnei Sakhnin und 4:0 zu Hause, da blickt man doch leicht über das 0:5 in Tel Aviv hinweg. Dittsche erwischte es zwar schlechter (zwei knappe Niederlagen plus eine deutliche), aber Maccabi Haifa ist nur zwei Punkte von einem UEFA-Cup-Platz entfernt. Der Gewinner dieses Spieltages ist aber wohl keiner von den bisher genannten, es ist eine Mannschaft, die derzeit auch ohne Trainer Teamgeist beweist: Maccabi Netanya, am Anfang der Saison von ihrem Trainer im Stich gelassen, konnte sich endlich von unten weg spielen, mit sieben Punkten rückte man auf den siebten Platz vor. Im Pokal konnte man sogar den Tabellenführer rauswerfen (Ruessels anschließende Kabinenansprache war von Haifa bis Eilat klar und deutlich zu hören).
Während in der Ligat ha'Al ein Verein einsam an der Spitze steht, ist es in der Liga Leumit umso spannender. Zwar geht es hier nur um einen (bzw. zwei) Aufstiegsplätze und auch hier ist mit Bnei Yehuda ein und derselbe Verein vorne, aber die Abstände sind viel kürzer: Nur vier Punkte liegen zwischen Aufstieg und Klassenerhalt. Kein Wunder, dass leZion mal so eben ein Drittel der Liga nach unten sackte. Hinauf ging es dafür endlich für Marvin. Neben dem tollen Erfolg im Pokal konnte Hapoel Haifa sich endlich auch in der Liga voranspielen: Zwei ungefährdete Siege und eine nur knappe Niederlage gegen Acre, wieder ging es zwei Plätze nach oben. Und wenn auch noch drei weitere fehlen, so ist doch die Motivation in der Mannschaft vorhanden, um auch noch das zu schaffen. Für den Kaiser ging es ebenfalls aufwärts, allerdings wird sich bei Nazareth noch zeigen müssen, ob die Spieler das geforderte Tempo halten können. Der dritte Trainer in der zweiten Liga ist hingegen nicht ganz so erfolgreich: Ra'anana kam nur einen Platz voran, aber immerhin konnte man etwas für das Torverhältnis tun.
Im Europapokal haben sich die Pessimisten durchsetzen können, als erstes von neunzehn Ländern musste Israel seine Koffer packen. Wahrscheinlich wird so wieder ein UEFA-Cup-Stzartplatz verloren gehen, aber was soll's: Dann holen wir halt nächstes Jahr Champions League und UEFA-Cup, und dann soll es noch einer wagen, über Israels Fußball zu Lachen.


Gruß Groffelmoff

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