Waren es Mossad-Agenten, deren Toto-Tipps daneben lagen? Versuchte ein russischer Millionär, dessen Club nicht gewonnen hatte, Einfluß zu nehmen? Oder hat die Hamas einige Funkmasten in die Luft gesprengt, weil ihr langweilig war? Wer auch immer es war, sämtliche Kommunikation war gestört und obwohl die Spiele gespielt waren, kannte keiner die Ergebnisse. Bis jetzt.
Nichtsdestotrotz: Gespielt wurde. Zum Beispiel in Jerusalem: Zuerst musste sich El Nino gegen Bnei Sakhnin geschlagen geben, und das Heimspiel gegen Kfar-Saba erwies sich als harte Nuss. Nur knapp gewann man mit 1:0. Schließlich dann der letzte Spieltag: Ohne zu wissen, wie die Verfolger aus Haifa, Ashdod und anderswo gespielt hatten, setzte El Nino auf die sichere Taktik: Gewinnen. Aber so einfach war das nicht, denn dazu musste man Tore schiessen, und zwar mehr als der Gegner. Aber auch BorrussiaDerschlag wollte gewinnen. Nachdem Bnei Yehuda an den letzten beiden Spieltagen gegen Hapoel Haifa verloren und Maccabi Haifa besiegt hatte, wollte man unbedingt noch einen Sieg, um die internationalen Startplätze zu sichern. Am Ende aber stand es 4:5 aus sich der Tel Aviver.
Was machten die anderen Mannschaften? Würden sechs Punkte für Hapoel Jerusalem reichen? Von Maccabi Haifa haben wir gerade schon gehört, dass sie ihr Heimspiel gegen Bnei Yehuda verloren hatten. Aber das alleine sollte Dittsche noch nicht aufhalten: Er ließ alle seine Stürmer ran, ließ sie auf das gegnerische Tor zustürmen, und musste doch erkennen, dass stürmen und Tore schießen zwei verschiedene Worte sind. Trotz allen Einsatzes stand es am Ende gegen Kfar-Saba 0:2, und gegen Kir Shmona schaffte man auch nur ein schwaches 1:0. Trotzdem, auch das könnte noch reichen für einen CL-Platz, wenn die Konkurrenz Fehler macht.
Schauen wir uns dazu doch mal Pikka an. Einen Punkt Rückstand am 27. Spieltag, da ließe sich doch einiges draus machen. Ja, ließe, aber gleich am 28. Spieltag gab es einen Rückschlag: 1:4 gegen Maccabi Tel Aviv, und auch noch eine Rote Karte für den Trainer. Dabei wollte er dem Schiedsrichter doch nur bildlich demonstrieren, dass so eine Kopfnuss gar nicht weh tue. Irgendwie verstand der das aber nicht. Ohne Trainer machten sich die Spieler im nächsten Spiel schwer, 1:2 im heimischen Stadion gegen Netanya, gegen den Abstiegskandidaten. Da half dann auch ein abschließendes 1:0 gegen Ramat HaSharon nicht mehr, das war allen klar, auch ohne die restlichen Spiele zu kennen.
Gab es noch andere Kandidaten auf den Titel? Aber Hallo. Ahskelon und Maccabi Tel Aviv. Über erstere ist schnell berichtet: Der Trainer erschien nicht und wurde folgerichtig entlassen. Aber Maccabi hat einen Trainer, eine sehr guten sogar. 4:1 hatte Don Marco den Gegner aus Ashdod gezeigt, wer die heimliche Hauptstadt ist, und auch Ramat HaSharon musste Federn lassen. Mit sechs Punkten aus zwei Spielen ging man in den letzten Spieltag: Ein Sieg hier, und Maccabi hätte ganz große Chance auf den Titel. Doch selbst bei einem Unentschieden und einem Patzer an der Spitze wäre noch einiges möglich. Hin und her ging es im Spiel, her und hin, und wieder hin und her. Doch leider vergaßen die Akteuere dabei, ein Tor zu schießen, das Spiele endete 0:0.
Was bleib übrig? Warten, bis endlich die Ergebnisse rauskamen. Bis endlich die Kommunikation wieder funktionierte. Und schließlich war es soweit, und die offizielle Abschlusstabelle konnte veröffentlicht werden. Jubel brandete auf, in Jerusalem, bei El Nino und seinen Jungs: Sie hatten es geschafft, sie hatten den ersten Titel für Hapoel Jersualem geholt. Und auch in Tel Aviv freut man sich: Mit einem Kraftakt hatte Don Marco es auf den zweiten Platz geschafft, und deshalb darf Maccabi Tel Aviv endlich mal wieder international mitspielen, und zwar in der Champions League, und das nach mehreren Jahren in der zweiten Liga. Eine Genugtuung für die Fans. Und auch in der dritten großen Stadt (der im Norden) wurde gejubelt, allerdings dauerte es da ein bisschen, bis die Leute verstanden was passiert war. Nur einer hatte es vielleicht schon geahnt, hatte er doch seine Spieler in den letzten Tagen ein anstrengendes Krafttraining verordnet, sie den Karmel hoch und runter gejagt in gleißender Mittagshitze. es sollte sich lohnen, am Ende wurde man sogar noch dreizehnter, eine Zahl, die wohl in Zukunft für Glück stehen wird bei Hapoel Haifa. Leidtragende waren Netanya und Hertzliya. Besonders bitter für letztere : Ein einziges Tor mehr geschossen oder gehalten, und man wäre noch erstklassig.
War sonst noch was? Genau, der Pokal: Hier trafen Hapoel Jerusalem und Bnei Yehuda Tel Aviv aufeinander, die sich gerade erst in der Liga einen erbitterten Fight geliefert hatten. Und genau den setzten sie nun auch fort, allerdings mit anderen Mitteln: Während sie in der Liga gegenseitig ein Tor nach dem anderen geschossen hatten, durften diesmal die Torhüter ihr Können zeigen. Und so stand es sogar nach 120 Minuten immer noch 0:0. Elfmeterschießen. Mit anderen Worten: Die Torhüter durften weiter gute Argumente für eine Gehaltserhöhung liefern. Der eine machte das ganz gut: Ben-Harosh von Jerusalem. Die ersten zwei Elfmeter hielt er, während seine Mitspieler alle trafen. BorrussiaDerschlag sah sich gezwungen, seine Mitspieler aufzumuntern, was auch half - aber nur bedingt. 3:1 stand es nach sechs Schüssen. Würde der nächste sitzen, würde Hapoel uneinholbar 4:1 führen. Und der Schuss saß, El Nino wiederholt FrankyHansens Kunststück aus dem letzten Jahr und holt das Double. Doch auch für BorrussiaDerschlag gibt es einen Trostpreis: Nachdem er zu Beginn der Saison noch gegen den Abstieg spielte, darf er nächste Saison im UEFA-Cup ran: Da Hapoel Jerusalem als Meister in der Champions League spielt, geht der Startplatz des Pokalsiegers an den unterlegenen Finalisten.
Und damit wünsche ich euch eine schöne Pause, und hoffentlich sehen wir uns in der nächsten Saison wieder.
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